Home Assistant Energy Dashboard einrichten

Von Thomas K. 1. März 2026 8 Min. Lesezeit

Für alle, die ihre Stromrechnung senken wollen, ist das Energy Dashboard die nützlichste Funktion in Home Assistant. Nur scheitert die Einrichtung erstaunlich oft. Sensoren brauchen die richtige Device Class, Tarife das richtige Format – und wenn etwas davon nicht stimmt, starren Sie auf ein leeres Dashboard und wissen nicht, warum.

Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch die komplette Einrichtung. Am Ende laufen Netzbezug, PV-Erzeugung (falls vorhanden) und die Kostenberechnung sauber.

Das brauchen Sie vorab

Home Assistant 2024.1 oder neuer und mindestens ein Messgerät für den Stromverbrauch (P1-Auslesegerät, Shelly EM, Emporia Vue oder Vergleichbares). Für die Basiseinrichtung ist kein YAML nötig.

Schritt 1: Sensor-Anforderungen prüfen

Genau hier bleiben die meisten hängen. Das Energy Dashboard ist wählerisch, welche Sensoren es überhaupt akzeptiert. Ihr Energiesensor muss zwei Eigenschaften korrekt gesetzt haben:

  • device_class: energy — sagt Home Assistant, dass dieser Sensor Energie misst
  • state_class: total_increasing — sagt ihm, dass der Wert nur steigt (wie ein Zählerstand)

Die Einheit muss kWh sein (oder Wh, das wird automatisch umgerechnet). Meldet Ihr Sensor Watt (W), ist das Leistung und keine Energie. Dann brauchen Sie einen Riemann-Integral-Sensor zur Umrechnung.

Ob Sie diese Attribute geschenkt bekommen, hängt vor allem an der gewählten Hardware. Unser großer Guide zum Energiemonitoring mit Home Assistant vergleicht P1-Auslesegeräte, Klemmwandler und Zwischenstecker – und zeigt, welche davon ohne Template-Bastelei dashboardfertige Sensoren liefern.

Sensoren kontrollieren

Öffnen Sie Entwicklerwerkzeuge > Zustände und suchen Sie Ihre Energie-Entität. Klicken Sie sie an und sehen Sie sich die Attribute an. Dort sollte stehen:

Entity Attributes
device_class: energy
state_class: total_increasing
unit_of_measurement: kWh

Fehlt device_class oder state_class, müssen Sie nachbessern. Über die Einstellungen der Entität (Zahnrad-Symbol) lässt sich die Geräteklasse manuell auf "Energie" setzen. state_class dagegen muss in der Regel die Integration selbst mitliefern – prüfen Sie, ob es ein Update für die Integration Ihres Geräts gibt.

Leistung (W) in Energie (kWh) umrechnen

Haben Sie nur einen Leistungssensor (Watt), legen Sie einen Riemann-Helfer an:

  1. Gehen Sie zu Einstellungen > Geräte & Dienste > Helfer
  2. Klicken Sie auf Helfer erstellen > Integration – Riemann-Integral-Sensor
  3. Wählen Sie Ihren Leistungssensor als Eingang
  4. Setzen Sie die Methode auf Links und die Genauigkeit auf 2

Das Ergebnis ist ein neuer kWh-Sensor, den das Energy Dashboard akzeptiert.

Schritt 2: Das Energy Dashboard konfigurieren

Wechseln Sie zu Einstellungen > Dashboards > Energie. Dort finden Sie Bereiche für Stromnetz, Solaranlage und Hausspeicher. Fangen Sie mit dem Netz an – das ist der Pflichtteil.

Netzbezug hinzufügen

  1. Unter "Stromnetz" auf Verbrauch hinzufügen klicken
  2. Ihren Energiesensor auswählen (den mit device_class: energy)
  3. Entscheiden, ob die Kosten mitgerechnet werden sollen

Taucht Ihr Sensor in der Liste gar nicht auf, gehen Sie zurück zu Schritt 1. Das Dashboard zeigt ausschließlich Sensoren mit den passenden Attributen an.

Keine Lust, alles von Hand aufzubauen? Unser Energy Dashboard Guide enthält 16 fertige Dashboard-Vorlagen mit YAML zum Kopieren – das spart Ihnen stundenlanges Ausprobieren.

Einspeisung ins Netz hinzufügen

Wenn Sie eine PV-Anlage haben und Überschuss ins Netz abgeben, klicken Sie auf Einspeisung hinzufügen und wählen Ihren Einspeise-Sensor. Der ist etwas anderes als der PV-Erzeugungssensor: Er erfasst ausschließlich die Energie, die zurück ins Netz fließt.

Schritt 3: Tarife hinterlegen

Erst mit Tarifen werden die Kosten belastbar. Home Assistant kennt dafür drei Wege:

Variante A: Fixer Preis

Die einfachste Lösung. Sie tragen Ihren Preis pro kWh ein (z. B. 0,25 €) und Home Assistant rechnet die Kosten automatisch aus. Für die meisten Haushalte reicht das völlig.

Variante B: Tag-/Nachttarif

Bei einem Zweitarifzähler nutzen Sie die Option "Entität mit aktuellem Preis verwenden". Dafür legen Sie einen Template-Sensor an, der je nach Uhrzeit den richtigen Preis zurückgibt:

configuration.yaml
template:
  - sensor:
      - name: "Electricity Price"
        unit_of_measurement: "€/kWh"
        state: >
          {% if now().hour >= 21 or now().hour < 6 %}
            0.18
          {% else %}
            0.28
          {% endif %}

Variante C: Dynamische Stromtarife

Wenn Sie einen dynamischen Tarif haben (Tibber, ENTSO-e, Nordpool), installieren Sie die passende Integration. Sie liefert einen Sensor mit dem aktuellen Börsenpreis, den das Energy Dashboard automatisch ausliest.

Schritt 4: PV-Erzeugung ergänzen

Mit Solaranlage tragen Sie Ihren Erzeugungssensor im Bereich "Solaranlage" ein. Auch dieser Sensor braucht device_class: energy und state_class: total_increasing.

Die meisten Wechselrichter-Integrationen (SolarEdge, Enphase, Fronius, Huawei) liefern von Haus aus kompatible Sensoren.

Häufiger Fehler

Verwechseln Sie PV-Erzeugung nicht mit Einspeisung. Die Erzeugung ist alles, was Ihre Module produzieren. Die Einspeisung ist nur der Anteil, der ins Netz geht. Nutzen Sie 3 kWh Solarstrom selbst und speisen 2 kWh ein, beträgt die Erzeugung 5 kWh und die Einspeisung 2 kWh.

Schritt 5: Einzelne Geräte erfassen

Der stärkste Teil des Energy Dashboards ist die Messung pro Gerät. Unter "Einzelne Geräte" tragen Sie Zwischenstecker oder Stromkreise ein, die bestimmte Verbraucher überwachen:

  • Waschmaschine und Trockner
  • Wallbox
  • Wärmepumpe oder Klimaanlage
  • Server oder Homeoffice-Technik

Damit beantworten Sie die Frage, die sich jeder stellt: "Wo geht mein Strom eigentlich hin?"

Schritt 6: Auf Daten warten

Nach der Konfiguration braucht das Energy Dashboard Zeit, um Daten zu sammeln. Die ersten aussagekräftigen Statistiken erscheinen nach zwei Stunden, für vollständige Tagesvergleiche sollten Sie 24 Stunden einplanen. Ein direkt nach dem Setup leeres Dashboard ist also kein Grund zur Sorge.

Home Assistant verarbeitet Energiestatistiken in festen Intervallen. Daraus entstehen Stundenwerte, die alle Grafiken und Vergleiche speisen.

Typische Probleme lösen

Das Dashboard zeigt keine Daten

  • Sensor-Attribute prüfen (device_class und state_class)
  • Sicherstellen, dass der Sensor einen Zahlenwert hat (nicht "unavailable" oder "unknown")
  • Nach der Ersteinrichtung mindestens zwei Stunden abwarten
  • Unter Entwicklerwerkzeuge > Statistiken nach Fehlern bei Ihren Energie-Entitäten sehen

Die Kosten stimmen nicht

  • Prüfen, ob die Einheit Ihres Tarifsensors €/kWh ist (nicht Cent)
  • Zeitzone kontrollieren – zeitabhängige Tarife richten sich nach der Zeitzone Ihrer HA-Instanz
  • Bei dynamischen Tarifen sicherstellen, dass die Integration oft genug aktualisiert

Ausreißer in den Daten

Vereinzelte große Sprünge deuten meist auf Sensor-Resets oder Verbindungsabbrüche hin. Gehen Sie zu Entwicklerwerkzeuge > Statistiken, suchen Sie die betroffene Entität und korrigieren Sie die Daten über "Problem beheben".

Sie wollen mehr als das Standard-Dashboard?

Diese Anleitung deckt die eingebaute Ansicht ab. Unser Energy Dashboard Guide geht weiter: eigene Lovelace-Karten, Kostenvergleiche, Auswertung des Eigenverbrauchs und 6 vollständige Copy-and-paste-Automationen plus 10 dokumentierte Automations-Muster. Über 70 Seiten.

Hinweis: Der Guide selbst ist auf Englisch — wie die Home-Assistant-Dokumentation. Die Website und der Support sind auf Deutsch.

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Wie es weitergeht

Sobald das Energy Dashboard läuft, entsteht der eigentliche Nutzen daraus, dass Sie auf die Zahlen reagieren:

  • Große Verbraucher identifizieren und in günstige Stunden verschieben
  • Eigenverbrauch verfolgen und die Batterieladung darauf abstimmen
  • Automationen zum Stromsparen auf Basis echter Verbrauchsmuster einrichten
  • Monate miteinander vergleichen, um den Effekt Ihrer Änderungen zu messen
  • Die Standardansicht durch eigene Energie-Karten ersetzen, die nur die Zahlen zeigen, die Sie täglich brauchen

Das Energy Dashboard macht aus Ihrem Smart Home mehr als eine Komfortspielerei: ein Werkzeug, das Geld spart. Eine halbe Stunde Einrichtung – und danach jahrelang Entscheidungen auf Datenbasis.