Lastspitzenkappung kann die Stromrechnung beeinflussen, wenn Ihr Tarif die gemessene Spitzenleistung abrechnet. Das Prinzip: den Netzbezug unter einem gewählten Schwellwert halten. Home Assistant kann beim Messen und Koordinieren flexibler Lasten helfen.
Mit E-Auto oder steuerbaren Verbrauchern können Sie Strategien anhand Ihrer eigenen Messspitze und Ihres Tarifs testen. Eine Batteriesteuerung braucht herstellerspezifische Schutzmaßnahmen und ist nicht Bestandteil des SmartWattFlow-Dashboard-Guides.
Was bedeutet Lastspitzenkappung?
Lastspitzenkappung heißt: Sie begrenzen die maximale Leistung, die Sie in Zeiten hoher Nachfrage aus dem Netz ziehen. Statt 8 kW zu beziehen, weil Wallbox, Wärmepumpe und Backofen gleichzeitig laufen, halten Sie den Bezug unter einer festen Grenze – zum Beispiel 5 kW.
Warum lohnt sich das? Aus zwei Gründen:
- Leistungspreis: Manche Tarife rechnen neben der Energie auch die gemessene Spitzenleistung ab. Prüfen Sie im aktuellen Netztarif die genaue Formel und eine mögliche Mindestspitze.
- Netzstabilität: Einige Länder (Niederlande, Belgien, Teile Deutschlands) führen leistungsbasierte Tarife ein, die hohe Spitzen bestrafen. Niedrigere Spitzen bedeuten dort direkt eine niedrigere Rechnung.
Messszenario berechnen
Nutzen Sie unseren kostenlosen Rechner für Lastspitzen mit gemessener aktueller und getesteter Zielspitze sowie dem Satz aus Ihrem eigenen Tarif.
Strategie 1: Lastverschiebung (ganz ohne Batterie)
Die einfachste Form der Lastspitzenkappung: Große Verbraucher laufen nie gleichzeitig. Dafür brauchen Sie keine zusätzliche Hardware, sondern nur eine kluge zeitliche Steuerung.
Finden Sie Ihre Spitzenverursacher
Schauen Sie im Energy Dashboard nach den größten Verbrauchern. Die üblichen Verdächtigen:
- Wallbox: 3,7–11 kW
- Wärmepumpe: 2–5 kW
- Elektrischer Backofen: 2–3 kW
- Wäschetrockner: 2–3 kW
- Waschmaschine (Aufheizphase): 2 kW
Automation: Verbraucher nacheinander schalten
Diese Automation stoppt das Laden des E-Autos, sobald der Hausanschluss eine bestimmte Leistung überschreitet:
# Lastspitzenkappung - Laden des E-Autos bei hoher Last pausieren
alias: "Peak Shaving - EV Pause"
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.grid_power
above: 4000
for: "00:01:00"
condition:
- condition: state
entity_id: switch.ev_charger
state: "on"
action:
- service: switch.turn_off
target:
entity_id: switch.ev_charger
- service: notify.mobile_app
data:
title: "Peak Shaving Active"
message: "EV charging paused - grid power above 4 kW"
Ergänzen Sie eine zweite Automation, die das Laden wieder freigibt, sobald die Leistung unter 3 kW fällt. Der Abstand von 1 kW verhindert, dass die Wallbox im Sekundentakt ein- und ausschaltet.
Die Wallbox einfach abzuschalten ist allerdings die Brachialvariante. Weil das Auto meist der größte und flexibelste Verbraucher im Haus ist, lohnt es sich, das Laden von Anfang an sauber zu planen statt es immer wieder zu unterbrechen — unser Ratgeber zum intelligenten Laden des E-Autos mit Home Assistant zeigt preis- und überschussgesteuertes Laden, mit dem Sie den Schwellwert gar nicht erst erreichen.
Sie wollen Lastspitzen vor einer Steuerung erst sauber sichtbar machen? Unser Energy Dashboard Guide behandelt Lastvisualisierung und allgemeine Muster zur Lastverschiebung. Batteriemanagement oder herstellerspezifische Lade-/Entlade-Automationen sind nicht enthalten.
Strategie 2: Lastspitzen mit dem Heimspeicher kappen
Wenn Sie einen Heimspeicher haben (Tesla Powerwall, BYD, Huawei Luna), kann er Lastspitzen abfangen. Die Batterie entlädt genau dann, wenn der Netzbezug den Schwellwert übersteigt – der Bezug aus dem Netz bleibt dadurch flach.
Die Logik dahinter
- Netzbezug in Echtzeit messen
- Überschreitet der Bezug den Schwellwert (etwa 5 kW), wird die Batterie zum Entladen aufgefordert
- Entladen wird genau die Differenz: 7 kW Bezug bei 5 kW Schwellwert bedeuten 2 kW aus der Batterie
- Fällt der Bezug wieder unter den Schwellwert, endet das Entladen
# Lastspitzenkappung mit Batterie - oberhalb des Schwellwerts entladen
alias: "Battery Peak Shaving"
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.grid_power
above: 5000
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.battery_soc
above: 20 # Keep 20% reserve
action:
- service: number.set_value
target:
entity_id: number.battery_discharge_power
data:
value: >
{{ (states('sensor.grid_power') | int - 5000) | abs }}
Jede Batterie-API ist anders
Welche Service-Aufrufe konkret funktionieren, hängt an der Integration Ihres Speichers. Tesla, Huawei und SolarEdge nutzen jeweils andere Entity-Strukturen. Sehen Sie in der Dokumentation Ihrer Integration nach, über welche Entities sich das Entladen steuern lässt.
Strategie 3: Eigenverbrauch aus der PV-Anlage optimieren
Mit einer Photovoltaikanlage funktioniert das Ganze in den sonnigen Stunden umgekehrt. Statt den Überschuss zu schlechten Einspeisevergütungen ins Netz zu schicken, laden Sie damit vorab die Batterie oder heizen das Haus vor. Das senkt die Spitzen am Nachmittag und Abend, wenn die Erzeugung einbricht.
Der Gedanke dahinter: Liegt die Erzeugung über dem Verbrauch, leiten Sie die Energie in planbare Verbraucher (Warmwasser, E-Auto, Speicher), anstatt einzuspeisen. Wenn abends die Nachfrage steigt, sind diese Verbraucher längst versorgt.
Den richtigen Schwellwert festlegen
Leiten Sie den Schwellwert aus Messung und Sicherheitsgrenzen ab. Zu niedrig kann unnötig oft Verbraucher abwerfen; zu hoch verändert die abgerechnete Spitze womöglich nicht.
So testen Sie einen Schwellwert
- Sehen Sie im Energy Dashboard nach den Leistungsspitzen des vergangenen Monats
- Prüfen Sie auf Ihrer Stromrechnung, wie der Leistungspreis abgerechnet wird
- Wählen Sie eine kleine, überprüfbare Senkung gegenüber Ihrer eigenen Messbasis
- Beobachten Sie repräsentative Bedingungen und justieren Sie nach Komfort, Sicherheit und Auslösehäufigkeit
Übernehmen Sie keinen Schwellwert aus einem anderen Haushalt: Das sichere Ziel hängt von Lasten, Verkabelung, Gerätesteuerung und Tarifformel ab.
Erfolg messbar machen
Legen Sie einen Template-Sensor an, der die tägliche Höchstleistung mitschreibt. So sehen Sie über die Wochen schwarz auf weiß, was die Lastspitzenkappung bringt:
template:
- sensor:
- name: "Daily Peak Power"
unit_of_measurement: "W"
state: >
{{ state_attr('sensor.grid_power', 'max_value')
| default(states('sensor.grid_power'), true) }}
Verfolgen Sie diesen Wert über mehrere Wochen. Eine funktionierende Lastspitzenkappung zeigt einen klar fallenden Trend bei den Tagesspitzen – und deutlich seltenere, kleinere Ausschläge oberhalb Ihres Schwellwerts.
Das komplette System zur Lastspitzenkappung
Unser Energy Dashboard Guide enthält Dashboards zur Untersuchung der Anschlussleistung und allgemeine Automationsmuster. Das Batterie-Beispiel in diesem Artikel dient nur zur Veranschaulichung und muss an die Herstellerintegration angepasst werden; Batterie-Steuerungs-YAML gehört nicht zum Produkt.
Hinweis: Der Guide selbst ist auf Englisch — wie die Home-Assistant-Dokumentation. Die Website und der Support sind auf Deutsch.
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Wirkung aus dem eigenen Tarif berechnen
Prüfen Sie zuerst, wie Anbieter oder Netzbetreiber die Spitzenleistung abrechnet. Bei einem linearen Jahressatz lautet ein transparentes Szenario: (gemessene aktuelle Spitze − getestete Zielspitze) × veröffentlichter Jahressatz pro kW. Bei Monatsspitzen, Mindestwerten, Stufen oder Steuern müssen diese Regeln stattdessen nachgebildet werden.
Vergleichen Sie das Jahresszenario mit Hardware-, Installations-, Alterungs- und Wartungskosten. Vorhandene Geräte sind nicht automatisch „kostenlos“, und die Amortisation einer Batterie lässt sich nicht allein aus der Spitzenreduktion ableiten.