Lastspitzenkappung gehört zu den wirksamsten Hebeln für eine niedrigere Stromrechnung – besonders dann, wenn Ihr Netzbetreiber die höchste bezogene Leistung abrechnet. Das Prinzip ist schnell erklärt: Der Netzbezug darf einen festgelegten Schwellwert nicht überschreiten. Die Umsetzung ist der interessante Teil – und genau dafür ist Home Assistant da.
Ob Hausbatterie, E-Auto oder einfach nur ein paar smarte Steckdosen: Mit den richtigen Automationen lassen sich Lastspitzen und damit auch der Leistungspreis um 20 bis 40 Prozent senken. So gehen Sie vor.
Was bedeutet Lastspitzenkappung?
Lastspitzenkappung heißt: Sie begrenzen die maximale Leistung, die Sie in Zeiten hoher Nachfrage aus dem Netz ziehen. Statt 8 kW zu beziehen, weil Wallbox, Wärmepumpe und Backofen gleichzeitig laufen, halten Sie den Bezug unter einer festen Grenze – zum Beispiel 5 kW.
Warum lohnt sich das? Aus zwei Gründen:
- Leistungspreis: Viele Netzbetreiber rechnen nicht nur den verbrauchten Strom in kWh ab, sondern zusätzlich die höchste bezogene Leistung in kW. In Belgien kostet der Kapazitätstarif 40 bis 80 Euro pro kW und Jahr – bezogen auf Ihre höchste Monatsspitze.
- Netzstabilität: Einige Länder (Niederlande, Belgien, Teile Deutschlands) führen leistungsbasierte Tarife ein, die hohe Spitzen bestrafen. Niedrigere Spitzen bedeuten dort direkt eine niedrigere Rechnung.
Rechnen Sie Ihr Sparpotenzial durch
Mit unserem kostenlosen Rechner für Lastspitzen schätzen Sie ab, was bei Ihrer aktuellen Spitzenlast und Ihren Netzpreisen drin ist.
Strategie 1: Lastverschiebung (ganz ohne Batterie)
Die einfachste Form der Lastspitzenkappung: Große Verbraucher laufen nie gleichzeitig. Dafür brauchen Sie keine zusätzliche Hardware, sondern nur eine kluge zeitliche Steuerung.
Finden Sie Ihre Spitzenverursacher
Schauen Sie im Energy Dashboard nach den größten Verbrauchern. Die üblichen Verdächtigen:
- Wallbox: 3,7–11 kW
- Wärmepumpe: 2–5 kW
- Elektrischer Backofen: 2–3 kW
- Wäschetrockner: 2–3 kW
- Waschmaschine (Aufheizphase): 2 kW
Automation: Verbraucher nacheinander schalten
Diese Automation stoppt das Laden des E-Autos, sobald der Hausanschluss eine bestimmte Leistung überschreitet:
# Lastspitzenkappung - Laden des E-Autos bei hoher Last pausieren
alias: "Peak Shaving - EV Pause"
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.grid_power
above: 4000
for: "00:01:00"
condition:
- condition: state
entity_id: switch.ev_charger
state: "on"
action:
- service: switch.turn_off
target:
entity_id: switch.ev_charger
- service: notify.mobile_app
data:
title: "Peak Shaving Active"
message: "EV charging paused - grid power above 4 kW"
Ergänzen Sie eine zweite Automation, die das Laden wieder freigibt, sobald die Leistung unter 3 kW fällt. Der Abstand von 1 kW verhindert, dass die Wallbox im Sekundentakt ein- und ausschaltet.
Die Wallbox einfach abzuschalten ist allerdings die Brachialvariante. Weil das Auto meist der größte und flexibelste Verbraucher im Haus ist, lohnt es sich, das Laden von Anfang an sauber zu planen statt es immer wieder zu unterbrechen — unser Ratgeber zum intelligenten Laden des E-Autos mit Home Assistant zeigt preis- und überschussgesteuertes Laden, mit dem Sie den Schwellwert gar nicht erst erreichen.
Sie wollen eine ausgereifte Lastspitzenkappung samt Rückfalllogik für die Batterie? Unser Energy Dashboard Guide enthält erprobte Automationen für Lastverschiebung, Batteriemanagement und die Visualisierung Ihrer Lastspitzen.
Strategie 2: Lastspitzen mit dem Heimspeicher kappen
Wenn Sie einen Heimspeicher haben (Tesla Powerwall, BYD, Huawei Luna), kann er Lastspitzen abfangen. Die Batterie entlädt genau dann, wenn der Netzbezug den Schwellwert übersteigt – der Bezug aus dem Netz bleibt dadurch flach.
Die Logik dahinter
- Netzbezug in Echtzeit messen
- Überschreitet der Bezug den Schwellwert (etwa 5 kW), wird die Batterie zum Entladen aufgefordert
- Entladen wird genau die Differenz: 7 kW Bezug bei 5 kW Schwellwert bedeuten 2 kW aus der Batterie
- Fällt der Bezug wieder unter den Schwellwert, endet das Entladen
# Lastspitzenkappung mit Batterie - oberhalb des Schwellwerts entladen
alias: "Battery Peak Shaving"
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.grid_power
above: 5000
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.battery_soc
above: 20 # Keep 20% reserve
action:
- service: number.set_value
target:
entity_id: number.battery_discharge_power
data:
value: >
{{ (states('sensor.grid_power') | int - 5000) | abs }}
Jede Batterie-API ist anders
Welche Service-Aufrufe konkret funktionieren, hängt an der Integration Ihres Speichers. Tesla, Huawei und SolarEdge nutzen jeweils andere Entity-Strukturen. Sehen Sie in der Dokumentation Ihrer Integration nach, über welche Entities sich das Entladen steuern lässt.
Strategie 3: Eigenverbrauch aus der PV-Anlage optimieren
Mit einer Photovoltaikanlage funktioniert das Ganze in den sonnigen Stunden umgekehrt. Statt den Überschuss zu schlechten Einspeisevergütungen ins Netz zu schicken, laden Sie damit vorab die Batterie oder heizen das Haus vor. Das senkt die Spitzen am Nachmittag und Abend, wenn die Erzeugung einbricht.
Der Gedanke dahinter: Liegt die Erzeugung über dem Verbrauch, leiten Sie die Energie in planbare Verbraucher (Warmwasser, E-Auto, Speicher), anstatt einzuspeisen. Wenn abends die Nachfrage steigt, sind diese Verbraucher längst versorgt.
Den richtigen Schwellwert festlegen
Der Schwellwert entscheidet über den Erfolg. Zu niedrig, und Sie werfen ständig Verbraucher ab. Zu hoch, und Sie sparen gar nichts.
So finden Sie Ihren optimalen Wert
- Sehen Sie im Energy Dashboard nach den Leistungsspitzen des vergangenen Monats
- Prüfen Sie auf Ihrer Stromrechnung, wie der Leistungspreis abgerechnet wird
- Setzen Sie den Schwellwert auf 60 bis 70 Prozent Ihrer typischen Spitze
- Beobachten Sie zwei Wochen lang, wie oft die Automationen auslösen, und justieren Sie nach
Bei einem Haushalt mit einer typischen Spitze von 8 kW starten Sie also mit 5 kW. Damit fangen Sie die höchsten Ausschläge ab, ohne den Alltag einzuschränken.
Erfolg messbar machen
Legen Sie einen Template-Sensor an, der die tägliche Höchstleistung mitschreibt. So sehen Sie über die Wochen schwarz auf weiß, was die Lastspitzenkappung bringt:
template:
- sensor:
- name: "Daily Peak Power"
unit_of_measurement: "W"
state: >
{{ state_attr('sensor.grid_power', 'max_value')
| default(states('sensor.grid_power'), true) }}
Verfolgen Sie diesen Wert über mehrere Wochen. Eine funktionierende Lastspitzenkappung zeigt einen klar fallenden Trend bei den Tagesspitzen – und deutlich seltenere, kleinere Ausschläge oberhalb Ihres Schwellwerts.
Das komplette System zur Lastspitzenkappung
Unser Energy Dashboard Guide enthält einsatzfertige Automationen zur Lastspitzenkappung, die Logik für das Batteriemanagement und Dashboards, die Ihre Lastreduktion sichtbar machen. Das komplette YAML ist dabei. Über 70 Seiten.
Hinweis: Der Guide selbst ist auf Englisch — wie die Home-Assistant-Dokumentation. Die Website und der Support sind auf Deutsch.
Guide sichern — $29 →30 Tage Geld-zurück-Garantie. Ohne Wenn und Aber.
Was das konkret einspart
Wie viel Lastspitzenkappung bringt, hängt stark an Ihrer Tarifstruktur:
- Belgien (Kapazitätstarif): Die Spitze von 8 kW auf 5 kW zu drücken, spart 120 bis 240 Euro pro Jahr
- Niederlande (geplante Leistungspreise): Ähnliche Struktur, geschätzt 100 bis 200 Euro pro Jahr
- Deutschland (Leistungspreis bei größeren Anschlüssen): 50 bis 150 Euro pro Jahr im Privathaushalt
- USA (zeitvariable Tarife plus Leistungspreis): Sehr unterschiedlich, mit Batterie sind 200 bis 500 Dollar pro Jahr möglich
Ob sich das rechnet, hängt vor allem daran, ob der Speicher schon steht. Wenn ja, ist Lastspitzenkappung praktisch kostenlos – sie ist reine Software. Wer eigens dafür eine Batterie kauft, rechnet mit einer Amortisation von typischerweise fünf bis acht Jahren.
In jedem Fall gilt: Lastverschiebung über smarte Steckdosen kostet nichts und drückt Ihre Spitzen trotzdem um 20 bis 30 Prozent.