E-Auto intelligent laden mit Home Assistant: die komplette Anleitung

12. November 2025 16 Min. Lesezeit Von Thomas K. @ SmartWattFlow

Wer sein E-Auto in dem Moment lädt, in dem er es ansteckt, zahlt meist 40 bis 50 % zu viel. Mit intelligentem Laden über Home Assistant entscheidet Ihr Haus automatisch, wann und wie schnell geladen wird — das spart mehrere hundert Euro im Jahr und schont nebenbei den Akku.

Diese Anleitung führt Sie vom einfachen preisoptimierten Laden bis zur Solarintegration und zur Technik, die den Strom aus dem Auto zurück ins Haus holt (Vehicle-to-Home).

Warum sich intelligentes Laden rechnet

Die Rechnung ist simpel. Angenommen, Sie fahren 300 km pro Woche mit einem E-Auto, das 0,2 kWh/km braucht:

  • Verbrauch pro Woche: 60 kWh
  • Verbrauch pro Jahr: 3.120 kWh
  • Laden zum Hochtarif (0,35 €/kWh): 1.092 €/Jahr
  • Laden in den günstigen Stunden (0,18 €/kWh): 562 €/Jahr
  • Ersparnis pro Jahr: 530 €

Und da ist die Solaranlage noch gar nicht eingerechnet, mit der die Kosten gegen null gehen können.

Nichts davon funktioniert ohne Messwerte. Sowohl das preisbasierte als auch das solarbasierte Laden hängt an laufenden Leistungs- und Energiesensoren. Wenn Sie die noch nicht haben, fangen Sie mit unserem Guide zum Energie-Monitoring in Home Assistant an und kommen Sie zurück, sobald Netzbezug und PV-Erzeugung sauber gemeldet werden.

Kompatible Wallboxen

Die gute Nachricht: Die meisten modernen Wallboxen lassen sich in Home Assistant einbinden. Entscheidend ist aber nicht nur, ob es eine Integration gibt, sondern ob sie Ihnen eine Entität liefert, in die Sie einen Ampere-Wert schreiben können. Ohne die können Sie nur ein- und ausschalten — und damit fallen Überschussladen und Lastmanagement flach.

Wallbox Wie sie eingebunden wird Lokal oder Cloud Womit Sie den Ladestrom steuern Haken
Easee Home / Charge HACS Custom Integration Cloud-API number.*_dynamic_charger_limit plus der Service easee.set_charger_dynamic_limit; switch.*_is_enabled zum Pausieren Easees eigenes Lastmanagement auf Stromkreisebene überschreibt Sie stillschweigend. Setzen Sie das Circuit-Limit auf Ihre tatsächliche Absicherung und steuern Sie aus Home Assistant nur das dynamische Limit.
myenergi Zappi HACS (myenergi) Cloud-API select.*_charge_mode (Fast / Eco / Eco+ / Stopped) und number.*_minimum_green_level Keine freie Ampere-Steuerung. Die Zappi macht ihr Überschussladen selbst über eigene Stromwandler, Sie schalten also Modi um, statt den Strom zu modulieren — angenehm, wenn es einfach laufen soll, ärgerlich, wenn die Zahlen Ihres Wechselrichters die Entscheidung treffen sollen.
Wallbox Pulsar / Copper Core-Integration Cloud (myWallbox-Konto) number.*_max_charging_current und switch.*_pause_resume Cloud-Polling, eine Überschuss-Automation reagiert also in Zehnersekunden statt sofort. Wallbox hat seine API schon einmal geändert und damit die Integration zerlegt; halten Sie einen manuellen Zeitplan als Rückfallebene bereit.
go-e Charger Core-Integration Lokales HTTP number.*_max_current und switch.*_allow_charging Sie müssen die lokale HTTP-API (v2) zuerst in der go-e App freischalten. Ältere Firmware, die nur API v1 spricht, braucht stattdessen die HACS-Variante.
Tesla Wall Connector (Gen 3) Core-Integration Lokal Nichts — es gibt ausschließlich Sensoren (Leistung, Energie der Ladesitzung, Temperatur des Steckers) Die Ampere-Steuerung muss vom Auto kommen, über eine Tesla-Kontointegration mit number.*_charging_amps. Planen Sie also das Auto als Steuerpunkt ein, nicht die Wallbox.
KEBA KeContact P30 Core-Integration Lokales UDP Service keba.set_current sowie Start-/Stopp-Services Nur die c- und x-Serie sprechen UDP, und Sie müssen es in der Konfiguration der Wallbox erst aktivieren. Das Basismodell lässt sich gar nicht steuern.
Ohme Home Pro Core-Integration Cloud-API switch.*_max_charge und number.*_target_percentage Ohme denkt von Haus aus in Zeitplänen. Sie bekommen einen Ziel-Ladestand und einen Boost, keine stufenlose Stromregelung — Überschussladen wird damit grob.
openWB MQTT Lokal Auf das Strom-Topic des Ladepunkts schreiben, z. B. openWB/set/chargepoint/1/set/current Die Topic-Struktur unterscheidet sich zwischen openWB 1.9 und 2.x. Prüfen Sie Ihre mit einem MQTT-Explorer, bevor Sie Automationen dagegen schreiben.

Die Entitätsnamen stehen hier mit Platzhalter, weil jede Integration den Namen Ihrer Wallbox voranstellt — schauen Sie Ihre unter Entwicklerwerkzeuge → Zustände nach, bevor Sie YAML einfügen.

Der Ladestand des Autos ist noch einmal eine eigene Integration. Wer einen Hyundai Ioniq 5 oder einen Kia fährt, nimmt die HACS-Integration hyundai_kia_connect; beim Volvo EX30 liefert die Volvo-Cars-Integration den Ladestand in neueren Versionen mit. Fragen Sie diese Dienste sanft ab: Die Hersteller-APIs sind gedrosselt, und zu häufiges Pollen weckt das Auto und leert dessen 12-V-Batterie. Nehmen Sie lieber den kWh-Sensor der Wallbox und behandeln Sie den Ladestand des Autos als Plausibilitätsprüfung.

Woher die Preisdaten kommen (Europa)

Jede Automation weiter unten liest einen Preissensor, dieses Teil sollten Sie also zuerst richtig hinbekommen. In der Praxis gibt es vier Quellen, die man kennen sollte:

  • Nordpool (HACS) — Day-Ahead-Preise für Skandinavien, das Baltikum und weite Teile des Kontinents. Die Attribute raw_today und raw_tomorrow liefern eine Liste aus Startzeiten und Werten je Stunde — genau das, was Sie brauchen, um selbst günstige Slots auszuwählen. Tragen Sie Mehrwertsteuer und den Aufschlag Ihres Anbieters ein, damit der Sensor echte €/kWh zeigt und nicht den nackten Spotpreis.
  • ENTSO-e (HACS) — kostenloser API-Key, deckt jede Gebotszone ab, auch DE-LU, NL, BE, DK1/DK2, SE1–SE4 und FI. Sie bekommen sensor.current_electricity_market_price plus einen Sensor average_electricity_price_today, dessen Attribut prices die komplette Kurve enthält. Genau richtig dort, wo Nordpool nicht hinreicht.
  • Tibber (Core-Integration) — der geringste Aufwand, wenn Tibber Ihr Anbieter ist: Der Sensor zeigt Ihren tatsächlichen Endpreis inklusive Netzentgelten und Steuern und liefert zusätzlich ein level von günstig bis teuer.
  • Energi Data Service (HACS, Dänemark) — DK1/DK2-Spot plus das dänische stündliche Netzentgelt, das dort mehr ausmacht als der Spotpreis. Radius und die anderen Netzbetreiber verlangen zwischen 17:00 und 20:00 deutlich mehr, eine naive Automation nach der günstigsten Spotstunde kann Sie dort also Geld kosten. Eloverblik ist die passende Quelle für die Abrechnungshistorie.

Zwei Stolperfallen: Die Kurve für morgen wird am frühen Nachmittag MEZ veröffentlicht, ein nächtlicher Planer muss also danach laufen und nicht um Mitternacht. Und mehrere EU-Märkte stellen gerade auf viertelstündliche Abrechnung um — lesen Sie deshalb aus, welche Slot-Länge der Sensor liefert, statt 24 Werte fest zu verdrahten.

Für die Frage, was Sie tatsächlich gespart haben, brauchen Sie außerdem Verbrauchsdaten — an niederländischen und belgischen Zählern also die P1-Schnittstelle, über DSMR oder einen HomeWizard-Dongle. Wie Sie das verkabeln, steht im Guide zum Energie-Monitoring, und unsere Analyse der europäischen Strompreise erklärt, warum der Abstand zwischen günstig und teuer in DE, NL und DK so unterschiedlich ausfällt.

Die Integration EV Smart Charging

Die Custom Integration EV Smart Charging für Home Assistant nimmt Ihnen die meiste Arbeit ab. Sie berechnet automatisch die günstigsten Ladefenster auf Basis Ihrer Strompreise.

So funktioniert sie:

  1. Sie geben Abfahrtszeit und gewünschten Ladestand an
  2. Die Integration holt die Strompreise (Nordpool, Tibber, Essent usw.)
  3. Sie rechnet aus, welche 15-Minuten-Intervalle in Summe am günstigsten sind
  4. Die Ladung startet und stoppt in diesen Fenstern von allein

Praxistipp

Setzen Sie die Uhrzeit, zu der das Auto fertig sein soll, etwas früher an, als Sie es wirklich brauchen. Der Algorithmus bekommt dadurch mehr Spielraum bei der Suche nach günstigen Slots — und findet oft noch ein paar Cent mehr.

Home Assistant gegen die Alternativen: evcc, ChargeHQ, Tibber und Hersteller-Apps

Home Assistant ist nicht der einzige und nicht immer der beste Weg. Bevor Sie einen Abend in YAML investieren, hier die fünf Ansätze, die europäische E-Auto-Fahrer tatsächlich nutzen.

Ansatz Einrichtungsaufwand Kosten Solarüberschuss Dynamische Stromtarife Ladestand des Autos
Home Assistant (eigene Automationen) Hoch — ein Abend bis ein Wochenende, und Sie pflegen es danach Kostenlos; den Server betreiben Sie ohnehin Ja, genau so, wie Sie es definieren — jeder Wechselrichter, jede Schwelle Ja — Nordpool, ENTSO-e, Tibber, Energi Data Service Ja, über eine separate Fahrzeugintegration
evcc Mittel — eine YAML-Konfigurationsdatei, ein bis zwei Stunden Kostenlos und Open Source; ein Sponsor-Token schaltet einige Fahrzeuge und Wallboxen frei Ausgezeichnet — eingebaut, inklusive Phasenumschaltung und Mindest-Ladestand Ja — Tibber, aWATTar und ENTSO-e sind eingebaut Ja — breite Fahrzeugunterstützung ab Werk, keine Zusatzintegration
ChargeHQ Gering — Konten in einer App verbinden Kostenlose Stufe; Abo für den vollen Funktionsumfang Ja, über die Cloud-API Ihres Wechselrichters In der EU nur teilweise — stark bei Zeitzonentarifen, dünner beim stündlichen Spotpreis Ja, über die Cloud des Autoherstellers
Tibber-App Keiner — sie ist schon auf Ihrem Handy Kostenlos, aber nur wenn Tibber Ihr Anbieter ist Nein — sie sieht Ihren Wechselrichter nicht Ja — sie ist Ihr Tarif Ja, bei unterstützten Fahrzeugen
Hersteller-App der Wallbox (Easee, Zappi, Wallbox) Keiner — lag der Box bei Kostenlos mit der Hardware Zappi ja (eigene Stromwandler); Easee und Wallbox faktisch nein Je nach Markt unterschiedlich; meist Zeitpläne statt Spotoptimierung Nein

Wo die einzelnen Ansätze wirklich punkten

  • evcc ist von den fünf der beste reine Laderegler, und zwar mit Abstand. Wenn das Auto das einzige Problem ist, das Sie lösen wollen, schlägt evcc alles, was Sie selbst schreiben — Phasenumschaltung, Fahrzeugprofile und ein Ladeplan, für den Home Assistant kein Gegenstück hat. Und weil evcc als Add-on unter Home Assistant OS läuft und über MQTT zurückmeldet, ist "evcc oder Home Assistant" eine falsche Alternative.
  • Die eigenen Automationen in Home Assistant gewinnen, sobald das Laden nur einer von mehreren Verbrauchern ist. Wenn Wärmepumpe, Warmwasserspeicher, Heimspeicher und Auto um dieselben günstigen Stunden und denselben Überschuss konkurrieren, muss etwas entscheiden — und das ist Ihre Automationsengine. Es ist außerdem die einzige Option hier, bei der die Daten lokal bleiben und in die Langzeitstatistik des Energy Dashboards einfließen.
  • ChargeHQ gewinnt beim Tempo bis zum Ergebnis: zehn Minuten Konten verbinden, kein Server, kein YAML, keine Wartung.
  • Die Tibber-App gewinnt, wenn Sie ohnehin Tibber-Kunde sind und keine PV-Anlage haben. Kostenlos, rechnet mit Ihrem echten Vertragspreis und holt den Großteil der möglichen Ersparnis.
  • Die Hersteller-App gewinnt, wenn Sie Garantie und einen einzigen Ansprechpartner wollen. Eine Zappi im Modus Eco+ macht Überschussladen völlig zufriedenstellend, ganz ohne all das hier.

Wann Home Assistant die falsche Antwort ist

Wenn Sie eine fertige Box wollen, nie eine YAML-Datei öffnen möchten und keinen Server betreuen wollen, den Sie selbst patchen müssen: Bauen Sie das nicht. Kaufen Sie eine Ohme oder eine Zappi, oder lassen Sie evcc mit einer Beispielkonfiguration laufen. Eine Automation, die um 02:00 Uhr lautlos ausfällt und Ihnen ein leeres Auto hinterlässt, ist schlechter als ein dummer Zeitplan, der immer funktioniert.

Laden mit Solarstrom

Wenn Sie eine PV-Anlage haben, wird es richtig interessant, sobald Sie Preisoptimierung und Überschussladen kombinieren. Die Logik dahinter:

  1. Priorität 1: Aus dem Solarüberschuss laden (kostenlose Energie)
  2. Priorität 2: In den günstigsten Netzstunden laden
  3. Priorität 3: Notfallladung, wenn der Akku für die Fahrt am nächsten Tag zu leer ist

Eine typische Automation vergleicht laufend PV-Erzeugung und Hausverbrauch. Sobald die Erzeugung den Verbrauch um mehr als 1,4 kW übersteigt (den Mindestladestrom der meisten E-Autos), startet die Ladung von allein.

automation.yaml
alias: "Solar Excess EV Charging"
trigger:
  - platform: numeric_state
    entity_id: sensor.solar_excess_power
    above: 1400
    for: "00:05:00"
action:
  - service: switch.turn_on
    target:
      entity_id: switch.ev_charger

Unser Energy Dashboard Guide enthält Ladeautomationen mit Solarvorrang, Lastmanagement und Dashboards zur Kostenkontrolle. Alles als fertiges YAML zum Einfügen. Einmalig $29 mit 24 Monaten Kompatibilitäts-Updates — hier sichern, oder vorher hineinschauen.

Vehicle-to-Home (V2H): die Zukunft ist da

Im Oktober 2025 liefen in Kalifornien die ersten Vehicle-to-Home-Demonstrationen für den Massenmarkt an, und diese Technik kommt schnell nach Europa.

Die Idee: Der Akku Ihres E-Autos wird zum Heimspeicher. Bei Stromausfall oder in teuren Hochpreisstunden fließt Strom aus dem Auto zurück ins Haus.

Was Sie dafür heute brauchen:

  • Ein V2H-fähiges Fahrzeug (Kia EV6, Hyundai Ioniq 5/6, bestimmte Nissan-Modelle)
  • Eine bidirektionale Wallbox (Wallbox Quasar, Dcbel r16)
  • Eine Home-Assistant-Anbindung für die intelligente Steuerung

Noch steckt das in den Anfängen, aber V2H liefert 10 bis 20 kWh Notstrom — genug, um die wichtigsten Geräte ein bis zwei Tage lang laufen zu lassen.

Lastmanagement

Wenn bei Ihnen mehrere Großverbraucher zusammenkommen (Wärmepumpe, Induktionskochfeld, Trockner), brauchen Sie ein Lastmanagement, damit keine Sicherung fliegt und Sie Ihren Netzanschluss nicht überschreiten.

Home Assistant kann den Gesamtverbrauch des Hauses überwachen und den Ladestrom dynamisch nachführen:

  • Das Haus zieht 8 kW von 10 kW Anschlussleistung? Das Auto lädt mit 2 kW
  • Die Wärmepumpe schaltet ab? Das Auto geht auf volle Leistung
  • Jemand schaltet den Backofen ein? Das Auto reduziert den Ladestrom

So sparen Sie sich eine teure Netzverstärkung und laden trotzdem so schnell, wie es der freie Spielraum gerade zulässt.

Wichtig ist der richtige Bezugspunkt: Es geht um ein Limit pro Phase, nicht um eine Summe. Häuser in Deutschland und den Niederlanden sind typischerweise mit 3×25 A abgesichert, ältere mit 3×16 A. Eine Wallbox mit 3×16 A und 11 kW lässt bei 3×25 A gerade noch 9 A pro Phase für den Rest des Hauses — Induktionsfeld plus Wasserkocher räumen das ab. Deshalb regeln Sie gegen die am stärksten belastete Einzelphase — daher das max() über die drei Stromwerte des P1-Zählers in der Automation weiter unten, und keine Summe. Leistungsbasierte Netzentgelte sind dasselbe Problem von der Abrechnungsseite aus gesehen; das behandelt unser Guide zur Lastspitzenkappung.

Vier Automationen, die fast jedes Setup abdecken

Aus diesen vier besteht ein vollständiges Setup in der Praxis. Sie sind gegen eine Easee-Wallbox, einen Hyundai Ioniq 5 und einen HomeWizard-P1-Zähler geschrieben, die Struktur bleibt aber gleich — setzen Sie einfach Ihre eigenen Entity-IDs ein.

Alle vier nutzen dieselben drei Helfer, angelegt unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer:

  • input_datetime.ev_departure — nur Uhrzeit, kein Datum
  • number.ev_target_soc oder ein input_number — der Ladestand, mit dem Sie aufwachen wollen, typischerweise 80
  • input_number.ev_max_amps — die Obergrenze, die Wallbox und Kabel vertragen, z. B. 16

1. Laden nach Abfahrtszeit

Diese Automation rechnet von Ihrer Ladeleistung rückwärts: Sie bleibt untätig, bis die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt der noch benötigten Ladezeit entspricht. Das Auto wird also gerade rechtzeitig fertig, statt sechs Stunden lang bei 80 % zu stehen. Sie setzt voraus, dass Ihr Auto den Ladestand meldet; falls nicht, ersetzen Sie den SoC-Sensor durch eine feste Stundenzahl.

Zuerst ein Template-Sensor, der die Frage "wie lange brauchen wir noch?" beantwortet:

configuration.yaml
template:
  - sensor:
      - name: "EV Hours To Target"
        unique_id: ev_hours_to_target
        unit_of_measurement: h
        state_class: measurement
        state: >
          {% set soc      = states('sensor.ioniq_5_ev_battery_level') | float(0) %}
          {% set target   = states('number.ev_target_soc') | float(80) %}
          {% set capacity = 77.4 %}          {# nutzbare kWh Ihres Akkus #}
          {% set amps     = states('input_number.ev_max_amps') | float(16) %}
          {% set phases   = 3 %}             {# 1 bei einphasigem Anschluss #}
          {% set kw       = amps * 230 * phases / 1000 * 0.92 %}
          {% if soc >= target or kw <= 0 %}
            0
          {% else %}
            {{ (((target - soc) / 100 * capacity) / kw) | round(2) }}
          {% endif %}

Dann die Automation. Sie prüft alle fünf Minuten, und sobald sie einmal gestartet ist, wartet sie an Ort und Stelle, bis das Ziel erreicht ist — sie kann sich also nicht selbst überholen.

automations.yaml
alias: "EV: ready by departure time"
description: Start as late as possible while still hitting the target SoC.
trigger:
  - platform: time_pattern
    minutes: "/5"
condition:
  - condition: state
    entity_id: binary_sensor.easee_home_cable_connected
    state: "on"
  - condition: numeric_state
    entity_id: sensor.ioniq_5_ev_battery_level
    below: number.ev_target_soc
  - condition: template
    value_template: >
      {% set need = states('sensor.ev_hours_to_target') | float(0) %}
      {% set dep  = today_at(states('input_datetime.ev_departure')) %}
      {% set dep  = dep if dep > now() else dep + timedelta(days=1) %}
      {{ need > 0
         and (dep - now()).total_seconds() / 3600 <= (need + 0.25) }}
action:
  - service: number.set_value
    target:
      entity_id: number.easee_home_dynamic_charger_limit
    data:
      value: "{{ states('input_number.ev_max_amps') | int(16) }}"
  - service: switch.turn_on
    target:
      entity_id: switch.easee_home_is_enabled
  - wait_template: >
      {{ states('sensor.ioniq_5_ev_battery_level') | float(0)
         >= states('number.ev_target_soc') | float(80) }}
    timeout: "10:00:00"
    continue_on_timeout: true
  - service: switch.turn_off
    target:
      entity_id: switch.easee_home_is_enabled
mode: single
max_exceeded: silent

Die zusätzlichen 0,25 sind fünfzehn Minuten Puffer für Ladeverluste und einen kalten Akku. Im norddeutschen oder skandinavischen Winter machen Sie 0,75 daraus — ein Akku bei −5 °C nimmt spürbar langsamer Strom auf, als die Rechnung vermuten lässt.

2. Laden ausschließlich aus dem Solarüberschuss

Diese Automation führt den Ladestrom der Einspeisung nach, mit einem Totband, damit sie nicht schwingt. Der Kniff steckt im Template-Sensor: Der für das Auto verfügbare Überschuss ist die aktuelle Einspeisung plus das, was die Wallbox bereits zieht. Ohne diesen Term regelt die Schleife die Einspeisung auf null, liest daraufhin null Überschuss und schaltet ab.

configuration.yaml
template:
  - sensor:
      - name: "Solar Surplus For EV"
        unique_id: solar_surplus_for_ev
        unit_of_measurement: W
        device_class: power
        state_class: measurement
        # Alle drei Werte muessen in Watt vorliegen. HomeWizard P1 liefert W;
        # die DSMR-Integration liefert kW, also mit 1000 multiplizieren.
        state: >
          {% set exp = states('sensor.p1_meter_power_production') | float(0) %}
          {% set imp = states('sensor.p1_meter_power_consumption') | float(0) %}
          {% set ev  = states('sensor.easee_home_power') | float(0) %}
          {{ [ (exp - imp) + ev, 0 ] | max | round(0) }}
automations.yaml
alias: "EV: solar surplus only"
description: Follows export with a 1 A dead band and a 3 minute stop delay.
trigger:
  - platform: time_pattern
    minutes: "/1"
condition:
  - condition: state
    entity_id: input_boolean.ev_solar_only
    state: "on"
  - condition: state
    entity_id: binary_sensor.easee_home_cable_connected
    state: "on"
action:
  - variables:
      surplus: "{{ states('sensor.solar_surplus_for_ev') | float(0) }}"
      now_amps: >
        {{ states('number.easee_home_dynamic_charger_limit') | float(0) }}
  - variables:
      # Einphasig: 230 V je Ampere. Bei einer dreiphasigen Wallbox, die
      # nicht auf eine Phase umschalten kann, stattdessen durch (230 * 3).
      want_amps: "{{ (surplus / 230) | round(0, 'floor') | int }}"
  - choose:
      # Zu wenig Sonne: abschalten, aber erst nach 3 Minuten unter der Grenze.
      - conditions:
          - condition: template
            value_template: "{{ want_amps < 6 }}"
          - condition: state
            entity_id: switch.easee_home_is_enabled
            state: "on"
            for: "00:03:00"
        sequence:
          - service: switch.turn_off
            target:
              entity_id: switch.easee_home_is_enabled
      # Genug Sonne, und die Aenderung ist gross genug, um sie zu schreiben.
      - conditions:
          - condition: template
            value_template: >
              {{ want_amps >= 6
                 and (want_amps - now_amps) | abs >= 1 }}
        sequence:
          - service: number.set_value
            target:
              entity_id: number.easee_home_dynamic_charger_limit
            data:
              value: "{{ [ want_amps, states('input_number.ev_max_amps')
                           | int(16) ] | min }}"
          - service: switch.turn_on
            target:
              entity_id: switch.easee_home_is_enabled
mode: single
max_exceeded: silent

Eine harte Grenze bleibt: Typ-2-Laden geht nicht unter 6 A. Eine einphasige Wallbox braucht also rund 1,4 kW Überschuss, um überhaupt etwas zu tun, eine dreiphasige rund 4,1 kW. Bei einer 4-kWp-Anlage in Deutschland oder Belgien wird diese Schwelle nur an Sommertagen für ein paar Stunden um die Mittagszeit überschritten. Wenn Ihre Wallbox zwischen ein und drei Phasen umschalten kann — manche Easee- und go-e-Modelle können das —, nutzen Sie das: Das nutzbare Fenster verdreifacht sich dadurch ungefähr.

3. Laden nach Preisschwelle

Diese Variante sucht die N günstigsten Stunden, die vor der Abfahrt noch übrig sind, und lädt zusätzlich bedingungslos, sobald der Preis unter eine harte Obergrenze fällt — so nehmen Sie die negativen Preisstunden mit, die in DE, NL und DK inzwischen häufig vorkommen. Das Denken übernimmt der Binary Sensor, damit die Automation trivial bleibt.

configuration.yaml
template:
  - binary_sensor:
      - name: "EV Cheap Hour Now"
        unique_id: ev_cheap_hour_now
        state: >
          {% set p   = 'sensor.nordpool_kwh_nl_eur_3_10_021' %}
          {% set n   = states('input_number.ev_cheap_hours') | int(6) %}
          {% set cap = states('input_number.ev_price_cap') | float(0.15) %}
          {% set hs  = now().replace(minute=0, second=0, microsecond=0) %}
          {% set dep = today_at(states('input_datetime.ev_departure')) %}
          {% set dep = dep if dep > now() else dep + timedelta(days=1) %}
          {% set slots = (state_attr(p, 'raw_today') or [])
                       + (state_attr(p, 'raw_tomorrow') or []) %}
          {% set window = slots
                        | rejectattr('value', 'none')
                        | selectattr('start', 'ge', hs)
                        | selectattr('start', 'lt', dep)
                        | list %}
          {% set cheapest = window
                          | sort(attribute='value')
                          | map(attribute='start')
                          | list %}
          {{ (states(p) | float(99) <= cap) or (hs in cheapest[:n]) }}
automations.yaml
alias: "EV: charge in the cheapest hours"
description: >
  Follows binary_sensor.ev_cheap_hour_now. Swap the Nordpool entity for
  the ENTSO-e, Tibber or Energi Data Service price sensor as needed.
trigger:
  - platform: state
    entity_id: binary_sensor.ev_cheap_hour_now
    to: ["on", "off"]
condition:
  - condition: state
    entity_id: binary_sensor.easee_home_cable_connected
    state: "on"
action:
  - choose:
      - conditions:
          - condition: state
            entity_id: binary_sensor.ev_cheap_hour_now
            state: "on"
          - condition: numeric_state
            entity_id: sensor.ioniq_5_ev_battery_level
            below: number.ev_target_soc
        sequence:
          - service: number.set_value
            target:
              entity_id: number.easee_home_dynamic_charger_limit
            data:
              value: "{{ states('input_number.ev_max_amps') | int(16) }}"
          - service: switch.turn_on
            target:
              entity_id: switch.easee_home_is_enabled
    default:
      - service: switch.turn_off
        target:
          entity_id: switch.easee_home_is_enabled
mode: single

In Dänemark rechnen Sie das stündliche Netzentgelt Ihres Netzbetreibers vor dem Sortieren auf den Wert auf. Radius und die anderen dänischen Netzbetreiber verlangen zwischen 17:00 und 20:00 ein Mehrfaches je kWh gegenüber der Nacht, und dieser Abstand ist meist größer als die Spotspanne, gegen die Sie optimieren. Energi Data Service liefert das Netzentgelt mit — sortieren Sie also nach Spot plus Entgelt, nicht nach Spot allein.

4. Lastmanagement gegen die Hauptsicherung

Das Sicherheitsnetz. Es liest die Ströme pro Phase vom P1-Zähler, zieht den Beitrag der Wallbox ab, um auf den Hausverbrauch zu kommen, und gibt dem Auto, was unterhalb des Sicherungswerts minus Reserve übrig bleibt. Lassen Sie es parallel zu den anderen drei laufen: Es senkt das Limit immer nur ab, arbeitet also mit ihnen zusammen statt gegen sie.

automations.yaml
alias: "EV: load balancing (3 x 25 A main fuse)"
description: >
  Keeps the worst-loaded phase under the fuse rating. Assumes per-phase
  current from a P1 meter and a charger that reports its own draw.
trigger:
  - platform: time_pattern
    seconds: "/20"
  - platform: state
    entity_id: switch.easee_home_is_enabled
    to: "on"
condition:
  - condition: state
    entity_id: switch.easee_home_is_enabled
    state: "on"
action:
  - variables:
      fuse_amps: 25
      reserve_amps: 2
      charger_amps: "{{ states('sensor.easee_home_current') | float(0) }}"
      worst_phase: >
        {{ [ states('sensor.p1_meter_active_current_l1') | float(0),
             states('sensor.p1_meter_active_current_l2') | float(0),
             states('sensor.p1_meter_active_current_l3') | float(0) ] | max }}
  - variables:
      allowed: >
        {{ [ [ (fuse_amps - reserve_amps - (worst_phase - charger_amps))
               | round(0, 'floor') | int,
               states('input_number.ev_max_amps') | int(16) ] | min, 0 ] | max }}
  - choose:
      # Kein Platz mehr fuer die 6 A Minimum: pausieren, statt die Sicherung ausloesen.
      - conditions:
          - condition: template
            value_template: "{{ allowed < 6 }}"
        sequence:
          - service: switch.turn_off
            target:
              entity_id: switch.easee_home_is_enabled
      # Sonst dem freien Spielraum folgen, 1 A Totband.
      - conditions:
          - condition: template
            value_template: >
              {{ (allowed - (states('number.easee_home_dynamic_charger_limit')
                             | float(0))) | abs >= 1 }}
        sequence:
          - service: number.set_value
            target:
              entity_id: number.easee_home_dynamic_charger_limit
            data:
              value: "{{ allowed }}"
mode: single
max_exceeded: silent

Testen Sie das, bevor Sie sich darauf verlassen

Lastmanagement in Software ist eine Bequemlichkeit, keine Schutzeinrichtung. Ihre Sicherheit hängt am Hardware-Limit der Wallbox und an Ihrem Sicherungskasten. Stellen Sie also zuerst das eingebaute Circuit-Limit der Wallbox korrekt ein und betrachten Sie das hier als Optimierung obendrauf. Beobachten Sie es eine Woche lang mit laufendem Backofen, Trockner und Wärmepumpe, bevor Sie ihm vertrauen.

So fangen Sie an

Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. Integration der Wallbox installieren — dauert meist keine 15 Minuten
  2. Preisdaten ergänzen — Nordpool, Tibber oder die Integration Ihres Anbieters
  3. EV Smart Charging installieren — über HACS
  4. Grundautomation konfigurieren — Abfahrtszeiten und Preisschwellen setzen
  5. Solar einbinden — falls vorhanden, dem Überschuss Vorrang geben
  6. Lastmanagement ergänzen — damit der Netzanschluss nicht überlastet wird

Häufige Fragen

Welche Smart-Home-Systeme können eine Wallbox einbinden?

Home Assistant kann am meisten davon: Es gibt native oder Community-Integrationen für Easee, Zaptec, Wallbox, go-eCharger, Tesla Wall Connector und jede Wallbox, die OCPP spricht. Homey und openHAB decken deutlich weniger Modelle ab, und die Hersteller-Apps (Easee, Wallbox, Tesla) steuern zwar ihre eigene Hardware, können die Ladung aber nicht mit Ihrem Stromtarif und Ihrem Wechselrichter zusammen abstimmen. Wenn die Ladung gleichzeitig auf den Strompreis und auf den Solarüberschuss reagieren soll, ist Home Assistant die praktische Wahl, weil es als einziges System alle drei Datenquellen ohnehin schon vorliegen hat.

Wie richte ich eine Wallbox-Automation in Home Assistant ein?

Binden Sie zuerst die Integration Ihrer Wallbox ein, damit Sie eine Switch- oder Number-Entität haben, die den Ladevorgang startet und die Stromstärke setzt. Danach kommt eine Preisquelle dazu (Nordpool, ENTSO-e oder Tibber), und Sie schreiben eine Automation, die in den günstigsten Stunden auslöst und switch.turn_on auf der Wallbox aufruft, mit einer Bedingung, dass das Auto überhaupt angesteckt ist. Die erste lauffähige Version hat bei den meisten etwa fünfzehn Zeilen YAML; Solarvorrang und Lastmanagement legen Sie später obendrauf.

Wie funktioniert EV Smart Charging in Home Assistant?

Die Custom-Integration EV Smart Charging (über HACS installiert) nimmt Ihre Abfahrtszeit, den gewünschten Ladestand und einen stündlichen Preissensor und rechnet daraus das günstigste zusammenhängende oder aufgeteilte Zeitfenster aus, das trotzdem rechtzeitig fertig wird. Sie liefert einen Binary Sensor, den Sie als Ladebedingung verwenden, und Home Assistant schaltet die Wallbox über Nacht für Sie ein und aus. Weil sie auf einem Preissensor aufsetzt und nicht auf dem Zeitplaner der Wallbox, funktioniert sie weiter, wenn Sie den Anbieter wechseln oder die Wallbox tauschen.

Ist evcc die bessere Alternative zu Home Assistant fürs Laden?

Wenn es nur ums Laden geht: meistens ja. evcc ist genau dafür gebaut und bringt Phasenumschaltung, Fahrzeugprofile und einen Ladeplan mit, den Sie sonst selbst schreiben müssten. Home Assistant gewinnt, sobald das Auto nur einer von mehreren Verbrauchern ist und etwas zwischen Auto, Wärmepumpe, Warmwasserspeicher und Heimspeicher entscheiden muss, die alle dieselben günstigen Stunden und denselben Solarüberschuss wollen. Ein Entweder-oder ist das nicht: evcc läuft als Add-on unter Home Assistant OS und meldet sich über MQTT zurück. Eine verbreitete Kombination ist deshalb evcc für die Wallbox und Home Assistant für den Rest des Hauses.

Geht intelligentes Laden auch ohne Integration für mein Auto?

Ja. Laden Sie in den günstigsten Stunden anhand des Preissensors und des Binary Sensors der Wallbox für das angesteckte Kabel, und nehmen Sie zum Beenden den kWh-Zähler der Wallbox statt des Ladestands im Auto. Auf ein exaktes Prozentziel müssen Sie dann verzichten, die komplette Preisersparnis behalten Sie aber – und Sie sparen sich das Pollen einer gedrosselten Hersteller-API, die das Auto aufweckt und dessen 12-V-Batterie leert.

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Hinweis: Der Guide selbst ist auf Englisch — wie die Home-Assistant-Dokumentation. Die Website und der Support sind auf Deutsch.

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